
Von Januar bis März 2011 wurden 18 Schiffe gekapert, 344 Besatzungsmitglieder als Geiseln genommen und sechs entführt, stellte das IMB fest. Weitere 45 Schiffe wurden aufgebracht und zusätzliche 45 berichteten von Beschuss durch Piraten.
„Die aktuellen Zahlen zu Piraterie und bewaffnetem Raub auf See sind die höchsten, die je in einem ersten Quartal registriert wurden“, sagte Pottengal Mukundan, Direktor des IMB.
Die Piraten töteten in den vergangenen drei Monaten sieben Seeleute. Verletzt wurden bislang 34. In 2006 gab es im gleichen Zeitraum „nur“ zwei Verletzte.
Von den in diesem Jahr weltweit entführten 18 Schiffen waren 15 vor der Ostküste Somalias und in anderen Teilen des Arabischen Meeres sowie eines im Golf von Aden aufgebracht worden. Allein dort wurden 299 Geiseln genommen und weitere sechs Personen von ihrem Schiff verschleppt. Die letzte Zählung des IMB am 31. März zeigte, dass somalische Piraten derzeit 596 Seeleute auf 28 Schiffen gefangen halten.
„Die Gewalt und die Techniken, die die Piraten vor der somalischen Küste einsetzen, nehmen dramatisch zu“, berichtet Kapitän Mukundan. Der Großteil der Schiffsentführungen habe sich östlich und nordöstlich des Golfs von Aden ereignet. Die Positionen einiger Piratenmutterschiffe seien bekannt. Um weiteren Entführungen vorzubeugen, seien umfangreiche Maßnahmen gegen diese Schiffe notwendig, so Mukundan.
Einige Länder setzen inzwischen ihre Seestreitkräfte ein, um hart gegen die Piraten vorzugehen. Vor kurzem hatte die indische Marine im Arabischen Meer 61 somalische Piraten auf einem entführten Schiff festgenommen.
Auch in anderen Gebieten gab es im ersten Quartal 2011 Piratenangriffe. So wurden vor Malaysia neun Vorfälle gemeldet. Dazu zählen auch die Entführung eines Schubschleppers und die einer Barge vor der Tioman-Insel. In sieben Fällen wurden Schiffe von Angreifern mit Gewehren und Messern geentert.
Fünf Fälle wurden für Nigeria dokumentiert; dabei erfolgten drei Angriffe auf Schiffe in Lagos. Besatzungen in diesem Gebiet sprechen von zunehmender Gewalt: Bei einem Angriff wurden alle 27 Besatzungsmitglieder verletzt. Die Sorge des IMB über die Ausbreitung dieser sehr gewalttätigen Angriffe wurde verstärkt durch die Entführung eines Chemikalientankers vor dem Nachbarstaat Benin. Die Entführer brachten das Schiff dann nach Lagos.
Das IMB ist eine Spezialeinheit der Internationalen Handelskammer (ICC). Das zum IMB gehörende Piracy Reporting Centre (PRC) ist führend im Kampf gegen die Seepiraterie. Es ist die weltweit einzige Einrichtung, die rund um die Uhr Berichte über Piraterievorfälle erhält und verarbeitet. Das IMB fordert alle Kapitäne und Schiffseigner auf, alle tatsächlichen, versuchten und mutmaßlichen Vorfälle von Piraterie und bewaffnete Angriffe an das IMB Piracy Reporting Centre zu melden. Dies ist unerlässlich, um Behörden von der Dringlichkeit des Piraterieproblems zu überzeugen. Dabei können die transparenten Statistiken einer unabhängigen, nicht politischen internationalen Organisation wie der ICC als Katalysator für die Behebung dieses Problems dienen.
Der Quartalsbericht kann hier >> heruntergeladen werden.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich alle Vorfälle auf der IMB-Pirateriekarte genau anzeigen zu lassen: www.icc-ccs.org/livepiracymap
Weitere Informationen:
Kapitän Pottengal Mukundan, Direktor IMB
Fon: +44 20 7423 6960
E-Mail: pmukundan(at)icc-ccs.org