
Die Ergebnisse basieren auf der Rückmeldung von 337 Finanzinstituten, die an der Umfrage der ICC und des IWF teilgenommen haben. Die Ergebnisse zeigen ein Finanzsystem der zwei Geschwindigkeiten: Während in den Schwellenländern Asiens der Ausblick sehr günstig ist, zeigt sich die Euroregion am schwächsten.
"60 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Handelsnachfrage in Asien 2012 verbessern wird, während 50 Prozent der Teilnehmer in der Eurozone mit einer weiteren Verschlechterung rechnen”, so Thierry Senechal, der als Senior Policy Manager in der ICC-Zentrale für die Bankenkommission verantwortlich ist.
“Die aktuellen Entwicklungen auf den europäischen Finanzmärkten und ihre Auswirkungen auf die globale Handelsfinanzierung erforderten eine Momentaufnahme des Marktes“, sagte Ranil Salgado, Bereichsleiter Handel, Institutionen und Politik beim IWF. Er fügt hinzu: “Gemeinsam mit der ICC haben wir eine erstklassige Marktuntersuchung vorgelegt, die sowohl den Unternehmen als auch Entscheidern aus Politik und Verwaltung hilft, die entsprechenden Risiken zu beobachten und dadurch zeitnah einen Beitrag für die Regulierungsvorhaben und die G20-Diskussionen zu bieten“.
Die Faktoren, die zum negativen Ausblick für 2012 beigetragen haben, waren in erster Linie die eingeschränkten Finanzierungsbedingungen, die die Verfügbarkeit der Handelsfinanzierung reduziert haben. Davon sind besonders große Banken und jene mit Tätigkeitsschwerpunkten in den Entwicklungsländern betroffen. Über 90 Prozent der Befragten gaben an, dass „Kredit- oder Liquiditätsengpässe bei der korrespondierenden Bank“ auf die eigenen Handelsfinanzierungsaktivitäten entweder „einen gewissen“ oder „sehr starken“ Einfluss haben. Während der Finanzkrise 2008/2009 teilten lediglich rund 50 Prozent der Befragten diese Einschätzung.
Die eingeschränkten Finanzierungsbedingungen scheinen die Tatsache widerzuspiegeln, dass ein Großteil der Handelsfinanzierung von Banken aus der Eurozone getragen wird. Die Befragung zeigt, dass das Deleveraging der europäischen Banken zu strengen Kreditvorgaben und einer reduzierten Liquidität geführt hat. Hinzu kommt, dass der Handel weithin in US-Dollar abgewickelt wird.
Viele Teilnehmer der Befragung gaben an, dass das strikte regulatorische Umfeld - etwa durch die neuen Basel-Vorgaben – eine handelsbasierte Erholung beeinträchtigt. Dies ist insbesondere daher bedenklich, da viele Länder durch den Export ihre derzeit schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zu lösen versuchen. Die Maßnahmen, die zuletzt von den Entwicklungsbanken und Zentralbanken getroffen worden waren, um den Handel zu erleichtern, wurden als hilfreich wahrgenommen. Fast 60 Prozent der Banken gaben an, dass die Reaktivierung von Währungsabkommen (Swap-Vereinbarung) zwischen den Zentralbanken nützlich war.
Die Umsetzung von Basel III scheint schon jetzt den Druck auf Finanzierungskosten und Liquidität zu erhöhen. Fast drei Viertel der Befragten sagten, sie seien davon in gewissem Maße oder erheblich betroffen. Insbesondere dann, wenn nicht alle Handelsfinanzierungsinstrumente als risikoarm eingestuft werden. Dies verteuert auch die Handelsfinanzierung für Exporteure und Importeure gerade für KMUs.
Regulatorische Reformen seien entscheidend für das Jahr 2012 und danach. “Wir warnen vor unkoordinierten nationalen Initiativen und regulatorischen Beschränkungen, die den Handelsfluss unter Druck setzen und schließlich das Wachstum weltweit beeinträchtigen“, sagt Kah Chye Tan, Vorsitzender der ICC Bankenkommission.
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