
Vertreter aus 210 Banken in 94 Ländern beteiligten sich an der Handelsstudie, die vierte ICC-Befragung ihrer Art. Gefragt wurden diese nach ihrer Einschätzung und statistischen Angaben zur aktuellen Situation im Bereich Handelsfinanzierung in ihren jeweiligen Ländern. In 2010 gingen im Vergleich zum Vorjahr bezogen auf die Anzahl der Banken 30 Prozent mehr Rückmeldungen ein.
Aus der Studie geht hervor, dass die weltweite Erholung vorangetrieben wird vom wachsenden Handel in Nordamerika, Europa und Asien sowie zwischen Asien und dem Rest der Welt. In anderen Regionen, besonders in Afrika, sind die Märkte weiter angespannt; in vielen Teilen Asiens und Lateinamerikas bewegen sich die Kosten der Handelsfinanzierung auf hohem Niveau.
Händler in vielen einkommensschwachen Ländern haben immer noch große Probleme beim Zugang zu erschwinglicher Handelsfinanzierung, besonders im Importgeschäft. Eine positive Entwicklung ist hingegen, dass der Durchschnittspreis für Kreditbriefe (Akkreditive) in großen Schwellenländern gesunken ist (von 150-250 Basispunkten in 2009 auf 70-150 Basispunkte in 2010).
„Was wir jetzt brauchen, ist ein gezielterer Einsatz der Ressourcen, besonders in den ärmeren Ländern sowie in kleineren und mittleren Unternehmen“, sagte Pascal Lamy, Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO). Diese sollten nicht den hohen Preis für die Ausbesserung und Neuordnung der globalen Finanzmärkte zahlen müssen.
Die Mehrheit der Befragten stimmte in der Umfrage zu, dass es seit dem Schlussquartal 2009 in der Wirtschaft insgesamt deutlich aufwärts geht. Die Märkte mehrerer entwickelter Volkswirtschaften kehrten in Bezug auf Liquidität und Verfügbarkeit von Handelsfinanzierungen zu normalen Handelsbedingungen zurück. Die Akzeptanz von Risiko und Preisgestaltung habe sich ebenfalls verbessert.
Die SWIFT-Handelsverkehrsdaten, die der ICC exklusiv zur Verfügung gestellt wurden, bestätigen, dass der Trend des Volumenrückgangs der Jahre 2008 und 2009 – global gesehen – vorüber ist. In 2010 wurden insgesamt 42,9 Millionen Transaktionen verbucht. Dies bedeutet einen Anstieg von 5,81 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit rund 40,5 Millionen Transaktionen.
Laut SWIFT fielen die Ergebnisse je nach Region unterschiedlich aus. Der asiatisch-pazifische Raum verzeichnet weiterhin wesentlich größere Mengen an gesendeten (Import) Meldungen. Die Regionen mit den größten Volumina – Asien-Pazifik, Europa-Eurozone und Nordamerika – wiesen größere Schwankungen auf als die mit kleineren Volumina.
Zwischen 2009 und 2010 wies Afrika mit 21,2 Prozent die höchste Wachstumsrate auf, gefolgt vom asiatisch-pazifischen Raum mit 10,1 Prozent und Zentral- und Südamerika mit 9,7 Prozent Wachstum. Allerdings waren eher die großen Transaktionsmengen in Asien für den Aufschwung des SWIFT-Verkehrs verantwortlich als Afrika mit seinen kleinen Volumina.
Die an der ICC-Umfrage teilnehmenden Banken berichteten von einem erhöhten Bedarf an von Banken vermittelten Dokumenten-Akkreditiven. Diese werden insbesondere von Händlern und Herstellern in Entwicklungsländern mit schwachen Institutionen bevorzugt.
Die Umfrageteilnehmer zeigten sich besorgt angesichts der Auswirkungen neuer regulatorischer Initiativen, vor allem der neuen Anforderungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel III) zur Finanzierung des internationalen Handels. So könne ein einheitlicher Regulierungsansatz die Handelsfinanzierung in den vom Handel abhängigen Schwellenländern gefährden.
Die Banken argumentieren, dass die von der Bankenaufsicht festgelegten Regelungen der Handelsfinanzierung Kapitalanforderungen auferlegen, die angesichts der relativen Sicherheit dieser Mechanismen unverhältnismäßig hoch seien. Ihrer Meinung nach würden sie durch die Regelungen gezwungen, Kapital zu sperren, das eigentlich zur Unterstützung des Handels eingesetzt werden könnte.
Die Untersuchung macht deutlich, dass die befragten Banken nicht nur vorsichtig im Umgang mit diesen Regulierungen sind, sondern dass auch Unsicherheiten in Bezug auf deren Verständnis bestehen. Bei der Frage „Erwarten Sie, dass durch die Basel III Anforderungen Ihre Bank gezwungen sein wird, ihre Handelsfinanzierungsstrategie und -produkte neu zu bewerten?“ antworteten 34 Prozent, dass die neuen Anforderungen ihr Finanzinstitut veranlassen würden, ihre Strategie zur Handelsfinanzierung zu überprüfen. Gleichzeitig gaben 57 Prozent der Befragten an, dass sie unzureichende Informationen über die neuen Regelungen hätten.
Der Chair der ICC-Bankenkommission, Kah Chye Tan, forderte die Regulierungsbehörden auf, den Kontakt zur Industrie zur verstärken. „Sie sollten Feedback einholen, um sicherzugehen, dass die Regulierungen auf dem richtigen Weg sind, um das zu erreichen, was sie erreichen sollen“, sagte Kah Chye Tan.
Die Umfrage der ICC hat gezeigt, dass, im Gegensatz zu den Überzeugungen, auf denen die neuen Regulierungen basieren, Handelsfinanzierungen an sich von geringem Risiko und leicht liquidierbar sind. Im Jahr 2010 hat die ICC ein International Trade Credit (Loss) Register eingerichtet, um Leistungsdaten im Bereich der Handelsfinanzierung zusammenzustellen.
Die Datenbank untersuchte insbesondere das Ausfallrisiko von Handelsfinanzierungsinstrumenten in der Zeit von 2005 bis 2009. Von etwa 5,2 Millionen Transaktionen im Gesamtwert von mehr als 2,5 Billionen Dollar, hatten die außerbilanzmäßigen Transaktionen im Bereich Handelsfinanzierung eine durchschnittliche Laufzeit von lediglich 80 Tagen und nur eine unbedeutende Ausfallrate. Sogar in den Zeiten der globalen Wirtschaftskrise gab es lediglich knapp 500 Ausfälle bei 2,8 Millionen Transaktionen.
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